Hochtouren im Ortlergebiet – Ortler (3905 m) vom 9.–12. August 2008
– auf den höchsten Spitz von ganz Südtirol
Vom 9.-12. August unternahmen acht Mitglieder der Sektion eine Hochtour zum „König der Ostalpen“. Wegen des engen Schönwetterfensters mussten wir die Tour straffen.
So bestiegen wir im Anschluss an den Hüttenaufstieg, zur 3260m hoch gelegenen Casatihütte, gleich den Cevedale (3769m). Pünktlich zur Gipfelschau verzogen sich die Wolken fast vollständig und gaben den Blick auf die südliche Ortlergruppe und die Königsspitze gegenüber frei. Nach diesem „Abendspaziergang“ gingen wir sofort zum Hüttenabend über.

Aufstieg zum Cevedale (3769 m)

Gleißender Gletscher am Cevedale

Cevedale am Abend

Eisflanke an Königsspitze (3859 m)
Am zweiten Tag stand die Königsspitze (3859m) auf dem Programm. Nach kurzem Bergab stiegen wir zum Zebrugletscher auf. Die Eisfläche war fast schneefrei und die Spalten gut zu sehen. Nach einem steilen Firnhang gings eine schmale Rinne hinauf. Durch den brüchigen Fels und falsches Verhalten Voraussteigender hagelte es ständig Gesteinssalven auf uns nieder. Zu zweit schafften wir es bis zur Scharte. Dort bot sich uns ein ernüchterndes Bild. In der 45° steilen, 400m hohen Blankeisflanke hingen mehrere Bergsteiger und kamen weder vor noch zurück. Das Risiko über 1000m auf den Suldenferner abzustürzen war uns zu hoch.
Wir beschlossen schweren Herzens umzukehren. Nach dem „heißen Tanz“ durch die Steinschlagrinne waren wir froh, dass niemand verletzt wurde. Noch am selben Tag wechselten wir in einem Gewaltmarsch, über den Eisseepass, zur Hintergrathütte (2661m).

Königsspitze mit Aufstiegsweg

Königsspitze, Zebru und Ortler

Ortler mit Hintergrat

Aufbruch vor 5 Uhr
Der Dritte Tag begann mit Frühstück um 3.30 Uhr. Abmarsch war noch vor 5 Uhr. Über Moränenschutt erreichten wir bei Sonnenaufgang die ersten Felsen der Gratschneide. Majestätisch strahlten Königsspitze und Cevedale in der aufgehenden Sonne. In leichter Kraxelei gewannen wir schnell an Höhe. Nach einem großen Schneefeld wurde der Grat schmäler. Um einen Turm zu umgehen mussten wir das erste Mal sichern. Jetzt folgte Schlüsselstelle auf Schlüsselstelle, bis zum 4. Grad. Für die Kletterpassagen und die steilen Firnfelder dazwischen brauchten wir sehr viel Zeit. Von Westen zogen dunkle Wolken über dem Gipfel auf. Endlich, nach neun Stunden, erreichten wir das Kreuz am höchsten Punkt des Ortlers.

Gendarm am Grat

Eine der Schlüsselstellen

Der scharfe Grat

Kombiniertes Gelände
Die Sicht war gleich Null. Nach kurzer Pause zogen wir über den Oberen Ortlerferner talwärts. Die Wolken lichteten sich und gaben den Blick zur Payerhütte frei. Ein Klacks, dachten wir. Über eine Abseilstelle erreichten wir das Bärenloch, und das Ende des Gletschers.
Der Tabarettakamm, mit einigen Kletterstellen, einer Klettersteigpassage und stetigem auf und ab, forderte die letzten Kräfte. Da wir auf der „Payer“ (3040m) keinen Platz mehr bekamen mussten wir zur Tabarettahütte (2560m) absteigen.
Nach 14,5 Stunden war die Überschreitung geschafft. Ausgelassen feierten wir den „zähen Triumph“ auf der Hütte, die wir fast für uns alleine hatten.

Am Gipfel des Ortler (3905 m)

Ortlergletscher mit Bärenloch

Gipfelfeier
Am Morgen regnete es beim Abstieg nach Sulden. Kein Ortlerwetter! Alles richtig gemacht und Glück gehabt. Erleichtert traten wir die Heimreise an. Irgendwann kommen wir wieder, um die Königsspitze bei besseren Verhältnissen, früher im Jahr, erneut zu versuchen.